| Rezension:
Diplomacy von
Microprose ist die
Umsetzung des gleichnamigen Brettspiels für den Computer. Mit
Begeisterung spielte ich vor Jahren das Brettspiel, doch leider zeigte
sich, das im Freundes- und Bekanntenkreis nicht immer ausreichend
Mitspieler für dieses gelungene Spiel zu finden waren. Nun endlich
verspricht die PC-Version Abhilfe, da Diplomacy im Netzwerk (TCP/IP oder
IPX), über Internet, serielle Verbindung oder auch im sog. "Hot-Seat"-Modus
spielbar ist. Besonders gelungen ist die gesamte Präsentation von
Diplomacy. Das kurze Filmchen, mit Videoschnipseln aus der Zeit um den
ersten Weltkrieg, welches einem zu Beginn an die Pupillen dringt, macht
Appetit auf Diplomacy. Die Grafiken im Spiel sind allesamt schön
gezeichnet und mit unaufdringlichen Details verziert. Spieler, die mit
den Regeln des Spieles nicht vertraut sind, werden in Form eines
Tutorials soz. "an die Hand genommen" und können die Spielzüge
und Verhandlungen zu Übungszwecken durchexerzieren, so dass sie nicht
gleich ins kalte Wasser springen müssen. Das ist eine feine Sache, denn
praktische Übungen bringen nicht nur mehr Spaß, als das Lesen des
Handbuches, sondern machen dem Benutzer die Abläufe auch wesentlich
einfacher begreiflich. Zur Ehrenrettung des bedruckten Papieres, in Form
des komplett in deutsch beiliegenden Handbuches, erwähne ich aber
hiermit noch, das auch dort keine Fragen offengelassen werden und alle
Einzelheiten detailliert und bebildert beschrieben werden. Vor dem
eigentlichen Spiel sollte man die Voreinstellungen seinem persönlichen
Geschmack anpassen. Nicht nur "Scroll-Tempo", Musik- und
Effekt-Lautstärke sind modifizierbar, sondern auch Grafik (Animationen
und Filmsequenzen: Ja oder nein) und Kartensteuerung (Text und Overlays:
ja oder nein). Selbst "Tipps" für Anfänger können
eingeblendet werden, aber darauf kann der Alt-Stratege sicher
verzichten. Nun bleibt die Frage, nach der Art des Spieles: Neben den
bereits oben erwähnten Mehrspieler-Möglichkeiten kann Diplomacy auch
per e-mail gespielt werden oder natürlich alleine gegen den Computer.
Die bekannten sieben europäischen Mächte der letzten Jahrhundertwende,
als da sind: England, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich-Ungarn,
Rußland und die Türkei stehen zur Auswahl. Der Spieler entscheidet
sich für eines dieser Länder und kann für die verbleibenden Nationen
den Schwierigkeitsgrad (1 bis 3, in Form von Namen) festlegen oder aber
auch Nationen durch die Option "Bürgerkrieg" ausnehmen. Schön
das es neben den originalen Regeln auch jede Menge Varianten zur Auswahl
gibt. Sogar ein Editor ist dabei, mit dem man das Spiel nach seinem
Gusto verändern kann. Hat man alle seine Voreinstellungen beendet, kann
ein Spiel beginnen. Der Spieler findet sich alsdann im Verhandlungsraum
wieder und sieht sich den Staatenlenkern der anderen Nationen gegenüber,
welche mit schicken Uniformen des jeweiligen Landes von einem geübten
Auge auch ohne einen Blick auf die Staatsflagge erkannt und den Nationen
zugeordnet werden können. Die Verhandlungen werden mittels Symbolen geführt,
was für meine Begriffe ziemlich "fummelig" ist. Jedes Symbol
hat gewisse Bedeutungen, wie : angreifen, nicht angreifen, Bündnis
eingehen, kein Bündnis eingehen, bewegen, halten, Unterstützungsbewegung,
Unterstützung halten, Konvoi, Vorstoß, neutrale Zone und Gerüchte.
Man kann, durch klicken auf der sichtbaren Übersichtskarte, die schön
und deutlich gezeichnet ist, dann den Verhandlungssymbolen auch Ländereien
zuordnen, so dass die Angebote der Verhandlung auch auf diese Ländereien
bezogen werden und somit einen Sinn machen. Selbstverständlich wird der
Spieler auch Angebote (vom Computer oder den Mitspielern) erhalten und
zur Übermittlung in eines der virtuellen Zimmer gebeten werden. Man
kann diese Angebote annehmen oder ablehnen. Wie auch immer, ob man sich
letztendlich an diese Absagen hält, bleibt dem Spieler überlassen. Es
kommt schließlich darauf an als erste Macht den europäischen Kontinent
zu dominieren und was bedeuten in der Machtpolitik schon Verträge,
Abmachungen oder gar Ehrenworte? Nur der Sieg zählt und es bleibt dem
diplomatischen Geschick des Spielers überlassen, wie er die anderen
Parteien geschickt zu seinem Vorteil gegeneinander ausspielt. Allerdings
sollte er selbst auch auf der Hut sein, da er selbst auch Opfer einer
Intrige werden kann.....In der nächsten Phase werden die Armeen
gesetzt. Das geht wunderbar einfach: z.B. Einheit anklicken - es
erscheint ein Auswahlmenu - Auswahl treffen - in ein anderes Land
bewegen - fertig. Sind alle Armeen mit Ordern versehen, geht es in die
anschließende Phase der Konfliktauflösung. Die Auflösung der
Konflikte wird in kurzer Zeit vom Computer erledigt, wozu hat man schließlich
auch einen teuren Rechner? Nach einer weiteren Verhandlungsphase kommt
es dann zu dem erneuten und für die Runde entscheidenden Zug. Alles was
jetzt neu erobert wurde, verbleibt beim Land des Spielers und, handelt
es sich dabei um die begehrten Versorgungszentren, so kann sich der
Spieler über neue Truppen freuen. Versorgungszentren sind durch farbige
Punkte markiert und bringen pro Zentrum einmalig eine neue Einheit:
Armee oder Flotte (falls das Zentrum am Meer liegt). Nun zeigt eine übersichtliche
Zusammenfassung die Gewinner und Verlierer der vergangenen Runde und
schon geht es wieder weiter mit einer erneuten Verhandlungsrunde....
Verliert man allerdings diese wichtigen Versorgungszentren, dann wird
man auch eine Armee bzw. Flotte abgeben müssen. Dreh- und Angelpunkt
von Diplomacy sind also die Versorgungszentren. Je mehr man davon sein
eigen nennen kann, desto mehr Armeen können unterhalten werden und
desto stärker wird man werden. Sieger ist derjenige, der eine gewisse
Anzahl dieser Versorgungszentren erobert. Die Anzahl, der zu erobernden
Versorgungszentren kann, je nach Wahl einer Variante des Regelwerkes,
unterschiedlich hoch sein. Die militärischen Auseinandersetzungen, die
ja mit relativ wenigen Einheiten ausgefochten werden müssen, erfordern
weitsichtige Planung und ohne Hilfe von Verbündeten werden die Ziele
nur schwer erreicht werden können. Irgendwann kommt aber unweigerlich
der Zeitpunkt, an dem ein bisher noch so fest geschmiedetes Bündnis
gebrochen werden wird, denn: Nur eine Macht kann in Diplomacy als Sieger
hervorgehen. Die Auswahl der Angriffsziele und das geschickte
verschieben der Armeen und Flotten fördern das Denkvermögen und
bringen unheimlich viel Spaß. Leider ist die K.I. in Diplomacy,
zumindest für meine Begriffe, recht schwach. Bisher hat Kamerad
Computer mich noch nie besiegen können. Die virtuellen Gegenspieler
verhandeln zwar emsig und eifrig, doch was sie so auf dem Schlachtfeld
zusammenschieben ist schon ziemlich daneben. Mag sein das sich Diplomacy
dann eher für "neue Diplomaten" (sprich: Spieler, welche
Diplomacy noch nie gespielt haben) eignet, als für so "alte
Hasen" wie mich. Zum Glück - oder in weiser Voraussicht - wurden
ja sämtliche Mehrspielermodi eingebunden, so dass zumindest erfahrenen
Spielern die Suche nach Partnern für das Brettspiel jetzt abgenommen
wurde. Mit der PC-Version von Diplomacy, einem Internet-Anschluß und
dem nötigen Kleingeld für die Online-Kosten, sollten spannenden
diplomatischen Duellen nun nichts mehr im Wege stehen.
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