| Rezension:
Panzer General von SSI war seinerzeit (meine CD-Rom ist von
1994) der absolute Hammer. Ich muß gestehen, das ich seitdem eigentlich
ständig dieses Spiel spiele. Damals mußte ich es einfach so lange
spielen, bis ich alle Gefechte der 39er Kampagne entscheidend (decicive
victory) beenden
konnte. Was für ein erhebendes Gefühl, als ich meine virtuellen
Truppen nach langem Kampf in die amerikanische Hauptstadt führen
konnte. Die Möglichkeit durch Leistung den Lauf der Geschichte ändern
zu können, war grandios umgesetzt und motivierte den Strategiespieler
ungemein.
Panzer General
ist
ein rundenbasiertes Strategiespiel (zeitweise sogar wegen
"politischer Unkorrektheiten" im Handbuch auf dem deutschen
Index der Zensurbehörden), welches dem Genre zum kommerziellen
Durchbruch verhalf, ohne dabei aber die Grundsätze eines echten
Wargames zu verlassen. Der Spieler ist selbst der "Panzer
General" und erhält uneingeschränkte Befehlsgewalt über seine
virtuellen Truppen. Bei Panzer General gibt es nur deutsche
Kampagnen, man kann aber in den ebenfalls mitgelieferten Einzelszenarien
auch als Alliierter General seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Schauen wir uns nun einmal die sehenswerten Details dieses glorreichen
Spieles etwas näher an. (Ich beziehe mich in meiner Rezension auf die
zuletzt veröffentlichte Windows-Version von Panzer General).
Nach erfolgter
Installation und originalen Introfilmchen findet sich der Spieler im
Auswahlmenü wieder. Neben fünf Kampagnen (1939, 1941 Ostfront, 1941
Westfront, 1943 Ostfront und 1943 Westfront) kann der junge General auch
gespeicherte Spiele laden oder eines der 38 Szenarien spielen.
Natürlich steht auch die Option eines Spieles über e-mail zur
Verfügung. Am meisten Spaß bereitet mir immer die große Kampagne von 1939. Vor
dem Start des Spieles können noch die Vorlieben eingestellt werden:
Erfahrungsgrad der Truppen, Prestigepunkte (dazu später mehr),
Nachschub an oder aus, Einheitenstärke zeigen ja oder nein, Wetter an
oder aus, versteckte Einheiten anzeigen ja oder nein und auch Züge des
Gegners zeigen ja oder nein. Ich persönlich habe immer die
Voreinstellungen so gelassen wie sie waren, also Nachschub an, Wetter
an, Einheitenstärke anzeigen ja, versteckte Einheiten nicht zeigen und
gegnerische Züge nicht zeigen. Prestige und Erfahrungsgrad bei allen
auf Null.
Nach dem Start
einer Kampagne erfährt der Spieler bei einer Missionsbesprechung was zu
tun ist. Neben der schriftlichen Darstellung motiviert nicht nur ein
engagierter englischer Sprecher mit deutschem Akzent den Spieler,
sondern es wird auch immer ein echter Filmschnipsel vorgeführt.
Die Karte, auf der
das Spielgeschehen stattfindet, ist in Hexfelder unterteilt und weist
bis zu maximal 12 verschiedene Geländearten auf, wobei diese
Geländearten selbstverständlich auch Auswirkungen auf die darauf
befindlichen Einheiten haben. (Bsp.: Auf Straßen können Einheiten pro
Runde viel weiter bewegt werden, als in Wäldern). Das Grundprinzip von Panzer
General ist einfach: Der Spieler klickt eine seiner Einheiten an und
gibt ihr dann einen Befehl. Hat er alle seine Einheiten befehligt,
klickt er auf den "End Turn" (Ende der Runde) Schalter und
dann ist der Gegner an der Reihe. Runden unterliegen keinerlei
Zeitbegrenzung, so dass vor jedem Zug herrlich lange gegrübelt werden
darf - und auch sollte. Das der Schwierigkeitsgrad von Panzer General
aber nicht von Pappe ist, fiel seinerzeit schon diversen Redakteuren von
Computerzeitschriften auf, so erinnere ich mich doch tatsächlich an
einen Satz, der in etwa wie folgt lautete: "Dieses Spiel (Panzer
General) wird sowieso niemals jemand komplett durchspielen..." Was
habe ich gelacht! Doch, wir Wargamer haben es gemacht. Immer und immer
wieder, ja wir tun es heute noch und es bereitet uns Freude! Panzer
General fordert im Gegensatz zu den seichten Echtzeitspielchen noch
Köpfchen und keine schnellen Fingerreflexe. Es gibt nämlich jede Menge
Befehle, die zur rechten Zeit am rechten Ort und mit der richtigen
Einheit gegeben werden sollten. Natürlich spielt auch die Reihenfolge
der Befehlseingabe eine immens wichtige Rolle. (Bsp.: Eine gegnerische
Stadt soll erobert werden. In dieser Stadt hat sich eine feindliche
Infanterie-Einheit verschanzt. Dem Panzer General stehen folgende
Einheiten zur Verfügung: 1 Artillerie, 1 Jagdbomber, 1 Infanterie und 1
Panzer. Es wäre dumm zuerst mit dem Panzer oder der Infanterie gegen die
verschanzte Einheit anzurennen. Der Angriff sollte mit dem Jagdbomber
und der Artillerie begonnen werden, dann die Infanterie und ggf. zum
Schluß, falls die gegnerische Einheit schon angeschlagen ist, kann u.U.
der Panzer noch zum finalen Stoß benutzt werden.) Nun berichte ich ja
schon über einzelne Taktiken und habe noch nicht einmal das Menüsystem
im Spiel beschrieben... So ist es, wenn einen die Leidenschaft
wieder packt...;-) Also gut, das Menüsystem. Links und rechts der den
Bildschirm ausfüllenden Karte befinden sich eine Menge an Schaltern zur
Befehlseingabe. Genau gesagt sind es 25, von denen aber nicht alle
permanent benutzt werden. Das Menü von Panzer General ist
übrigens genial benutzerfreundlich, denn nicht nutzbare Menüpunkte
werden invertiert dargestellt. Ja, so tolle Sachen hatte man damals
schon. Ist z.B. keine Einheit angewählt noch 11 Wahlmöglichkeiten zur
Verfügung: Umschaltung zwischen Darstellung von Luft- und
Bodeneinheiten, Terrain anzeigen (blendet alle Einheiten, Hexfelder und
Länderkennzeichnungen aus), Save Game, zur nächsten Einheit,
Aufklärungsfenster (ReconWindow), Info (fährt man mit der Maus über
eine Einheit, werden Infos angezeigt), strategische Minikarte,
Übersicht der Armee, Verlustanzeige, Einheiten kaufen und Runde
beenden. Wählt man nun mittels Mausklick eine seiner Einheiten an, so
werden weitere Menüpunkte aktiviert: Einheit auflösen (mit diesem
Befehl sollte man sehr vorsichtig umgehen!), Einheit benennen (ja, man
kann seinen virtuellen Kameraden die Namen seiner Wahl geben), Einheit
verladen bzw. entladen (Infanterie hat z.B. in manchen Fällen
Transportfahrzeuge), Anlanden bzw. Abspringen und Einladen
(Fallschirmjäger in Flugzeuge bringen und abspringen lassen oder
Truppen aus Transportschiffen anlanden lassen etc...), Einheit
aufrüsten (Bsp.: Rüsten sie ihre Panzer I Truppen mit dem neuen Panzer
III E aus), Eliteersatz (angeschlagene Einheiten werden mit Truppen
aufgefüllt, die ihrem Erfahrungsniveau entsprechen), Ersatz
(angeschlagene Einheiten werden mit normalen Rekruten aufgefrischt,
Erfahrungswerte gehen prozentual verloren), Nachschubversorgung (Alle
Munition verschossen? Kein Benzin mehr? Dieser Befehl schafft Abhilfe).
Weiterhin gibt es noch die Befehle zum Aufstellen neu erworbener
Einheiten und die Befehle für ein Spiel per e-mail. Diesen
Spielmenübefehlen ist eine Windowsbefehlsleiste übergeordnet: File -
Edit - Game - Window sind die Hauptgruppen dort. Im Bereich
"File" findet man Möglichkeiten des Speicherns und Ladens,
weiterhin kann ein neues Spiel gestartet oder ein älteres geöffnet
werden und man kann Einsicht in seine Spielerdossiers nehmen. In diesen
Dossiers werden penibel alle ihre Heldentaten (oder auch Niederlagen)
vermerkt. Neben dem obligatorischen "About Panzer General"
findet man letztlich noch eine Organisationstabelle und den Ausgang. Im
Menü Window kann man einige Fenster öffnen, was aber auch mit den
bereits angesprochenen Ingame Menüleisten möglich ist.
Interessant ist hier eine Übersicht über die Hotkeys unter dem Eintrag
"Intelligence". Der Bereich "Game" bietet die
Auswahl von Pause, Ende der Runde, Autoscroll der Karte an oder aus,
Vorlieben einstellen und alle Züge beenden. Unter "Edit" kann
man die Musik, die Kampfszenen und weitere Kleinigkeiten je nach
Vorliebe des Spielers einstellen.
Wenden wir uns nun
den Einheiten zu. Die ersten paar Einheiten bekommen wir quasi
"geschenkt", doch von nun an hängt es von der eigenen
Fähigkeit ab, welche weiteren Einheiten man noch nutzen kann. Je besser
der Spieler ist, desto mehr Prestigepunkte bekommt er nämlich.
Erfolgreiche Generäle häuften mit ihren Siegen ein hohes Prestige an,
so der Hintergrund. Diese Prestigepunkte kann der Spieler nun zum Kauf
neuer Einheiten benutzen. Natürlich kann er auch seine alten Einheiten
mit neueren Materialien aufrüsten oder im Kampf angeschlagene Einheiten
mit
Ersatztruppen versorgen. Egal wofür er sich entscheidet, er muß es mit
seinen selbst erworbenen Prestigepunkten bezahlen. Ein wunderbar
funktionierendes System, welches für den Spieler nachvollziehbar ist.
Meistens hat man natürlich immer zu wenig von diesen Prestigepunkten,
aber ein General zeichnet sich nun einmal auch durch geschickten Einsatz
limitierter Ressourcen aus. Bleiben wir noch ein wenig bei den
Einheiten. Hier zeigt sich auch ganz besonders die Stärke dieses
Klassikers! Festhalten muß man einfach die gewaltige Vielfalt der
Einheiten, welche einen unerfahrenen Strategiespieler oder
Wargamer-Neuling nahezu erschlägt! Für diejenigen Zeitgenossen unter
uns für die Panzer gleich Panzer ist, wurde Panzer General nicht
gemacht! Ganz wie in der Realität gibt es eben auch im Spiel die
unterschiedlichen Panzertypen und zwar nicht nur grafisch dargestellt,
sondern auch mit spezifischen Werten. Diese enorme Einheitenvielzahl
gepaart mit den fein strukturierten und spezifizierten Einheitenwerten
macht Panzer General zu einem echten Wargame mit hohem
Realismusanspruch. Zu vollem Recht, wie ich finde! Das gilt selbst
heute noch, fast eine Dekade nach dem Erscheinen des Spieles! In Panzer
General findet der Spieler Einheiten von 15 Nationen, wobei
grundsätzlich zwischen 10 Einheitenklassen oder -typen
unterschieden wird. Die 10 Klassen sind: Infanterie - Panzer -
Aufklärung - Panzerabwehr - Artillerie - Flugabwehr - Luftverteidigung
- Jäger - taktische Bomber - strategische Bomber. Letztlich kommen
sogar noch mehr Einheiten vor, da es im Spiel selbst auch verschiedene
Schiffstypen nebst U-Booten und Flugzeugträgern gibt. Jede einzelne
Einheit, egal welcher Klasse sie zugehörig ist, weist Werte auf. Werte
für verschiedene Rubriken, als da wären 1. momentaner Treibstoffvorrat
(verbraucht sich bei Bewegung) 2. maximale Treibstoffmenge 3. momentaner
Munitionsvorrat (verbraucht sich im Gefecht) 4. maximale Munitionsmenge
5. Eingrabungwert (je nach Geländeart von 0 bis 4) 6. Erfahrung (100
Erfahrungspunkte=1 Sternchen) 7. Stärke (0 bis 10 bzw. bis 15) 8.
zerstörte Gegner 9. Sperrfeuerdruck 10. Punktewert (Kosten
der Einheit in Prestigepunkten) 11. Fortbewegungsart (zu Fuß,
gezogen, Kettenfahrzeug etc....) 12. Sichtweite (bei gutem Wetter)
13. Kampfreichweite 14. Initiative 15. Angriff gegen
ungepanzerte Ziele 16. Angriff gegen gepanzerte Ziele 17.
Luftangriff 18. Seeangriff 19. Bodenverteidigung 20.
Luftverteidigung 21. Nahkampfverteidigung 22. eigener
Zieltyp 23. Transportfahrzeugdaten.
Sie sehen schon
verehrter Leser, aus dieser Menge an unterschiedlichen Werten lassen
sich auch eine Menge verschiedener Einheiten definieren. Im Kampf
spielen dann noch weitere Faktoren eine Rolle: z.B.: Wetter -
Geländeart - Zufallsfaktor - Unterstützungsfeuer.
Jede Kampagne
gliedert sich in einzelne Gefechte und diese wiederum in einzelne
Runden. Die Anzahl der Runden ist in einem Gefecht begrenzt und hier
liegt auch der Schlüssel zum Erfolg. Je schneller der General seine
Aufträge erfüllen kann, desto besser ist er. Desto mehr Prestigepunkte
erhält er. Frei nach dem Motto, wer da hat, dem wird gegeben... Ein
Gefecht kann auf drei Arten Enden: Entscheidender Sieg - Sieg oder
Niederlage. Je nach Art des Sieges gelangt der Spieler in ein anderes
Folgegefecht und kann u.U. (wenn er immer nur glorreich siegt) den Lauf
der Geschichte ändern. Panzer General war seinerzeit eine
geballte Ladung Innovation und bietet jedem interessierten Wargamer auch
heute noch ein Spielerleben lang Freude.
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