| Rezension:
Rechtzeitig zu den langen Wintertagen beglückt das russische Entwicklerstudio Nival
die Fans rundenbasierter Strategie mit dem im 2. Weltkrieg angesiedelten
Titel Silent Storm. Als Führer einer im Geheimen operierenden
Elitetruppe besteht der Spieler zahlreiche rundenbasierte Gefechte Mann
gegen Mann. Die Truppe wird aus internationalen Spezialisten
zusammengestellt und dann durch die Kampagne geführt. Beide Seiten
(Achse oder Alliierte) können gespielt werden, was wirklich sehr
lobenswert ist. Nicht zu verbergen sind die starken Einflüsse von
Rollenspielelementen, welche sich harmonisch in das Spielkonzept
einbringen. Jeder Soldat (oder Agent) verfügt über eine Kurzbiographie
und gehört einer der sechs Agentenklassen an, welche da wären: Soldat
- Scout - Heckenschütze - Grenadier - Arzt und Techniker. Jede dieser
Klassen hat ihre besonderen Eigenschaften (Bsp.: Ein Soldat kann
besonders gut mit Maschinenpistolen umgehen, ein Arzt dagegen hantiert
mit Pflaster und Verbandszeug wesentlich erfolgreicher....). Die
zahlreich vorkommenden und hervorragend nachgebildeten Waffen
unterteilen sich ebenfalls in Klassen und verfügen über
unterschiedliche Wirkungen und Reichweiten etc... Die Waffenklassen sind
Pistole - Gewehr - Maschinenpistole - Granatenwerfer - Messer - Granate
usw... Jeder Agent verfügt über ein Inventar, indem er
Ausrüstung (meist Waffen und Munition) mitführen kann. Hier werden
auch die Waffen aufbewahrt, welche in den Spielzonen gefunden werden
können oder besiegten Feinden gehörten. Schon sehr schnell verfügen
ihre Agenten so über ein großes Waffenarsenal. Jeder Charakter hat zu
Beginn einer Kampagne relativ niedrige Fähigkeitswerte, welche sich
durch Kampfeinsätze verbessern und vom Spieler zugeteilt werden
können. Dazu gibt es den sog. Fähigkeitsbaum, der auf alle
Agentenklassen bezogen 10 unterschiedliche Fähigkeitsarten enthält,
welche sich weiter verzweigen. Im Laufe der Kampagne werden aus den
Agenten dann echte Profis. Hierdurch entsteht wieder dieses herrliche
Gefühl der "Kameradschaft" zu seinen virtuellen Mitstreitern.
Die Charaktere wachsen einem so ans Spielerherz und man möchte seine im
Laufe der Kampagne aufgepeppelten virtuellen Kameraden auf keinen Fall
mehr missen. Für grandiose Leistungen werden auch Auszeichnungen
verliehen, was wiederum die Motivation fördert.
Ein ganz großes
Lob gebührt aber den Grafikkünstlern von Nival, welche eine wahrhaft
meisterliche Leistung bei Silent Storm vollbracht haben. Ich
kenne kein Spiel bei dem die Uniformen so liebevoll und akurat
nachgebildet wurden. Dabei handelt es sich nicht nur um immer ein und
dieselbe Bekleidung pro Soldat oder Nation, sondern um diverse
Varianten. Hier wurde eine ordentliche Recherche betrieben und absolut
perfekt umgesetzt. Die gesamte Grafik des Spieles ist übrigens
bombastisch gut. Endlich scheinen die Zeiten vorbei zu sein, indem die
Grafik bei rundenbasierten Strategiespielen stiefmütterlich behandelt
wurde. Ein wahrer Leckerbissen für die vernachlässigten Augen der
Rundenfans! Das gesamte Spiel ist komplett in 3 D und die Steuerbarkeit
kann im Großen und Ganzen als gelungen bezeichnet werden. Wenn Sie Spiele wie
z.B. Jagged Alliance 2 mochten, dann ist Silent Storm für Sie ein
Muss. Nicht zu verkennen sind die starken Anleihen an dem genannten
Titel. Einige Kritikpunkte möchte ich aber nicht verschweigen: Die
schlechte Übersetzung in die deutsche Sprache ist nicht zu übersehen
und leider auch oft nicht zu überhören. Abgesehen von einigen Fehlern
werden auch sinnlose Ausdrücke benutzt, welche so sicher nie gesagt wurden
(Bsp.: "Guten Krieg!"... was für ein Blödsinn....).
Immerhin ist das Spiel komplett lokalisiert, was an sich zwar als
großer Pluspunkt gewertet werden muss, aber leider eben diverse Mankos
aufweist. Die Sprecher sind durchwachsen. Einige sind super und
erreichen mit diverse Sprüchen Kultstatus (Bsp.: "Leide!"),
andere hingegen geben unverständliche und sinnlose Kommentare ohne
Zusammenhang ab. Besonders störend sind starke Dialekte bei Deutschen
Agenten, was einfach unpassend ist. Nun ja, es ist auch wirklich schwer
sich immer mit so einer hervorragenden Lokalisierung, wie sie bei Jagged
Alliance 2 vorhanden ist, messen lassen zu müssen. Auf alle Fälle ist
sie bei Silent Storm um Welten besser als bei dem verkorksten
Unfinished Business. Dem beliebtem rundenbasiertem Spielprinzip kann
dadurch zum Glück kein Abbruch getan werden und darauf kommt es ja
letztlich an, denn das stimmt bei Silent Storm eigentlich schon.
Leider weist das Spiel jedoch Mängel im Spielkonzept auf, welche den
Spieler übel frustrieren können. Zu Beginn der Kampagne merkt man
allerdings noch nichts davon, doch im späteren Verlauf kommt es in
diversen Szenarien zu festgelegten Ereignissen, welche dem Spieler nicht
deutlich genug mitgeteilt werden. Bsp.: In einer Mission muss eine
Fabrikanlage erobert werden. Dort tauchen erstmals die "Panzerkleins"
auf. Zu einem bestimmten Zeitpunkt kommt die Durchsage, dass die Fabrik
von den Gegnern vernichtet werden soll. Nun bleiben dem Spieler nur noch
sehr wenige Runden, um dieses zu verhindern. Hat man seine Männer
schlecht positioniert oder sind sie einfach noch zu weit entfernt (bei
vorsichtiger Vorgehensweise), dann kann man diese Mission nicht
schaffen. Die gegnerischen Truppen jagen die Fabrik hoch und man darf
von vorne beginnen oder einen Speicherstand bemühen, was erheblich
nervt. Zwischen den Hauptszenarien kann man auch
"Nebenkriegsschauplätze" betreten, um so seine Mannen
verbessern zu können. Diese Szenarien sind allerdings extrem winzig
ausgefallen, was mir persönlich unverständlich ist. Statt sich 10 oder
mehr Soldaten auf der Fläche einer "Briefmarke" bekriegen zu
lassen, hätte man den virtuellen Recken schon durchaus etwas mehr
Betätigungsraum zur Verfügung stellen können. Notgedrungen kommt es
durch diese winzigen Szenarien zwar sofort zum Kampf, aber das taktische
Positionieren und anschleichen an den Gegner kann leider nur bedingt
durchgeführt werden.
Die mehr oder
weniger abgefahrene Hintergrundgeschichte einer "dritten
Macht" passt zwar gut zu Computerspielen, mir persönlich hätte
aber eine "historische Kampagne" besser gefallen. Weiterhin
muss man bemerken das Silent Storm oft von Abstürzen heimgesucht
wird. Ein "inoffizieller Patch" behob das Problem unter XP.
Mittlerweile dürfte wohl auch schon ein offizieller "Flicken"
veröffentlicht worden sein. Sie sollten auch über einen wirklich
leistungsstarken Rechner verfügen, um das Spiel in allen Grafikoptionen
flüssig genießen zu können.
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