Systemanforderungen: Windows 98, ME, 2000, XP, 128 MB RAM, P III 600 MHz, AGP 3 D Grafikkarte mit 32 MB RAM, DirectX 9.0, 2,5 GB FP + 500 MB, Soundkarte, CD-ROM Laufwerk, Maus. Fazit
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Rezension
Hintergrund

Fazit:

Silent Storm von Nival Interactive ballerte sich zu Beginn der Kampagne rundenbasiert in mein Spielerherz. Komplett in 3 D und mit einer in diesem Genre noch nie da gewesenen Grafikkunst war ich schwer begeistert. Hervorragende Spielbarkeit, nicht lineare Kampagnen, geradezu exzessive Detailverliebtheit und enorme spielerische Freiheiten verdienen eigentlich eine Auszeichnung. Doch leider gibt es Mängel im Spielkonzept, welche einem den Spaß vermiesen können und auf Dauer nervt auch die schlechte Lokalisierung des Spieles. Nach Installation eines patches kam es unter XP nur noch zu vereinzelten Abstürzen



Rezension:

Rechtzeitig zu den langen Wintertagen beglückt das russische Entwicklerstudio Nival die Fans rundenbasierter Strategie mit dem im 2. Weltkrieg angesiedelten Titel Silent Storm. Als Führer einer im Geheimen operierenden Elitetruppe besteht der Spieler zahlreiche rundenbasierte Gefechte Mann gegen Mann. Die Truppe wird aus internationalen Spezialisten zusammengestellt und dann durch die Kampagne geführt. Beide Seiten (Achse oder Alliierte) können gespielt werden, was wirklich sehr lobenswert ist. Nicht zu verbergen sind die starken Einflüsse von Rollenspielelementen, welche sich harmonisch in das Spielkonzept einbringen. Jeder Soldat (oder Agent) verfügt über eine Kurzbiographie und gehört einer der sechs Agentenklassen an, welche da wären: Soldat - Scout - Heckenschütze - Grenadier - Arzt und Techniker. Jede dieser Klassen hat ihre besonderen Eigenschaften (Bsp.: Ein Soldat kann besonders gut mit Maschinenpistolen umgehen, ein Arzt dagegen hantiert mit Pflaster und Verbandszeug wesentlich erfolgreicher....). Die zahlreich vorkommenden und hervorragend nachgebildeten Waffen unterteilen sich ebenfalls in Klassen und verfügen über unterschiedliche Wirkungen und Reichweiten etc... Die Waffenklassen sind Pistole - Gewehr - Maschinenpistole - Granatenwerfer - Messer - Granate usw... Jeder Agent verfügt über ein Inventar, indem er Ausrüstung (meist Waffen und Munition) mitführen kann. Hier werden auch die Waffen aufbewahrt, welche in den Spielzonen gefunden werden können oder besiegten Feinden gehörten. Schon sehr schnell verfügen ihre Agenten so über ein großes Waffenarsenal. Jeder Charakter hat zu Beginn einer Kampagne relativ niedrige Fähigkeitswerte, welche sich durch Kampfeinsätze verbessern und vom Spieler zugeteilt werden können. Dazu gibt es den sog. Fähigkeitsbaum, der auf alle Agentenklassen bezogen 10 unterschiedliche Fähigkeitsarten enthält, welche sich weiter verzweigen. Im Laufe der Kampagne werden aus den Agenten dann echte Profis. Hierdurch entsteht wieder dieses herrliche Gefühl der "Kameradschaft" zu seinen virtuellen Mitstreitern. Die Charaktere wachsen einem so ans Spielerherz und man möchte seine im Laufe der Kampagne aufgepeppelten virtuellen Kameraden auf keinen Fall mehr missen. Für grandiose Leistungen werden auch Auszeichnungen verliehen, was wiederum die Motivation fördert. 

Ein ganz großes Lob gebührt aber den Grafikkünstlern von Nival, welche eine wahrhaft meisterliche Leistung bei Silent Storm vollbracht haben. Ich kenne kein Spiel bei dem die Uniformen so liebevoll und akurat nachgebildet wurden. Dabei handelt es sich nicht nur um immer ein und dieselbe Bekleidung pro Soldat oder Nation, sondern um diverse Varianten. Hier wurde eine ordentliche Recherche betrieben und absolut perfekt umgesetzt. Die gesamte Grafik des Spieles ist übrigens bombastisch gut. Endlich scheinen die Zeiten vorbei zu sein, indem die Grafik bei rundenbasierten Strategiespielen stiefmütterlich behandelt wurde. Ein wahrer Leckerbissen für die vernachlässigten Augen der Rundenfans! Das gesamte Spiel ist komplett in 3 D und die Steuerbarkeit kann im Großen und Ganzen als gelungen bezeichnet werden. Wenn Sie Spiele wie z.B.  Jagged Alliance 2 mochten, dann ist Silent Storm für Sie ein Muss. Nicht zu verkennen sind die starken Anleihen an dem genannten Titel. Einige Kritikpunkte möchte ich aber nicht verschweigen: Die schlechte Übersetzung in die deutsche Sprache ist nicht zu übersehen und leider auch oft nicht zu überhören. Abgesehen von einigen Fehlern werden auch sinnlose Ausdrücke benutzt, welche so sicher nie gesagt wurden (Bsp.: "Guten Krieg!"... was für ein Blödsinn....). Immerhin ist das Spiel komplett lokalisiert, was an sich zwar als großer Pluspunkt gewertet werden muss, aber leider eben diverse Mankos aufweist. Die Sprecher sind durchwachsen. Einige sind super und erreichen mit diverse Sprüchen Kultstatus (Bsp.: "Leide!"), andere hingegen geben unverständliche und sinnlose Kommentare ohne Zusammenhang ab. Besonders störend sind starke Dialekte bei Deutschen Agenten, was einfach unpassend ist. Nun ja, es ist auch wirklich schwer sich immer mit so einer hervorragenden Lokalisierung, wie sie bei Jagged Alliance 2 vorhanden ist, messen lassen zu müssen. Auf alle Fälle ist sie bei Silent Storm um Welten besser als bei dem verkorksten Unfinished Business. Dem beliebtem rundenbasiertem Spielprinzip kann dadurch zum Glück kein Abbruch getan werden und darauf kommt es ja letztlich an, denn das stimmt bei Silent Storm eigentlich schon. Leider weist das Spiel jedoch Mängel im Spielkonzept auf, welche den Spieler übel frustrieren können. Zu Beginn der Kampagne merkt man allerdings noch nichts davon, doch im späteren Verlauf kommt es in diversen Szenarien zu festgelegten Ereignissen, welche dem Spieler nicht deutlich genug mitgeteilt werden. Bsp.: In einer Mission muss eine Fabrikanlage erobert werden. Dort tauchen erstmals die "Panzerkleins" auf. Zu einem bestimmten Zeitpunkt kommt die Durchsage, dass die Fabrik von den Gegnern vernichtet werden soll. Nun bleiben dem Spieler nur noch sehr wenige Runden, um dieses zu verhindern. Hat man seine Männer schlecht positioniert oder sind sie einfach noch zu weit entfernt (bei vorsichtiger Vorgehensweise), dann kann man diese Mission nicht schaffen. Die gegnerischen Truppen jagen die Fabrik hoch und man darf von vorne beginnen oder einen Speicherstand bemühen, was erheblich nervt. Zwischen den Hauptszenarien kann man auch "Nebenkriegsschauplätze" betreten, um so seine Mannen verbessern zu können. Diese Szenarien sind allerdings extrem winzig ausgefallen, was mir persönlich unverständlich ist. Statt sich 10 oder mehr Soldaten auf der Fläche einer "Briefmarke" bekriegen zu lassen, hätte man den virtuellen Recken schon durchaus etwas mehr Betätigungsraum zur Verfügung stellen können. Notgedrungen kommt es durch diese winzigen Szenarien zwar sofort zum Kampf, aber das taktische Positionieren und anschleichen an den Gegner kann leider nur bedingt durchgeführt werden.

Die mehr oder weniger abgefahrene Hintergrundgeschichte einer "dritten Macht" passt zwar gut zu Computerspielen, mir persönlich hätte aber eine "historische Kampagne" besser gefallen. Weiterhin muss man bemerken das Silent Storm oft von Abstürzen heimgesucht wird. Ein "inoffizieller Patch" behob das Problem unter XP. Mittlerweile dürfte wohl auch schon ein offizieller "Flicken" veröffentlicht worden sein. Sie sollten auch über einen wirklich leistungsstarken Rechner verfügen, um das Spiel in allen Grafikoptionen flüssig genießen zu können. 


Hintergrund:

Wer kennt sie nicht, die zahlreichen Filmproduktionen ala Hollywood in denen Kommandooperationen heroisch dargestellt werden. Das sie der Realität nicht unbedingt entsprechen ist dem Betrachter evtl. bewusst. Wer mehr über dieses Thema "Kommandounternehmen im 2. Weltkrieg" erfahren möchte und insbesondere an den Aktionen der Achsenmächte interessiert ist, dem bleibt nur die mühsame Suche nach Büchern. Empfehlenswert ist hier der Titel von Franz Kurowski: "Deutsche Kommandotrupps 1939 - 1945" mit dem Untertitel "Brandenburger und Abwehr im weltweiten Einsatz". In diesem Werk erfährt der geschichtlich interessierte Leser so erstaunliche Tatsachen, das die Wehrmacht im Laufe des Krieges zur "größten Fremdenlegion aller Zeiten" mutierte und das bereits im 2. Weltkrieg deutsche Kommandotrupps in Afghanistan gekämpft haben... da sage mir mal noch einer Geschichte könne sich nicht wiederholen.... (siehe die jüngsten Einsätze der deutschen "Spezialkräfte KSK" in eben diesem Lande).


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