| Rezension:
Mit
Stronghold von Firefly Studios entführt Take2
den Spieler zurück ins finstere Mittelalter. In diesem
Echtzeitstrategiespiel geht es um den Bau von Burgen, die Verteidigung
und die Erstürmung derselben. Vorweg muss festgehalten werden, dass
Spieler, die auf einen gewissen Realismus Wert legen, lieber die Finger
von Stronghold lassen sollten. Wer leicht zugängliche und
seichte Echtzeitspiele hingegen mag, der wird an diesem Spiel durchaus
Freude haben können. Ausgeliefert wird Stronghold in schicker
Box mit enthaltener DVD-Verpackung (doppelt hält wohl besser und so
werden die Anhänger der Pappboxen ebenso beglückt, wie die Verfechter
der neueren DVD-Verpackungen). Ein technisch gut gemachter, aber eher
alberner Introfilm soll ins Geschehen einführen. Scheinbar war im
Mittelalter alles ziemlich beschissen...., so jedenfalls wirkte der wohl
lustig gemeinte Film auf mich. An Auswahlmöglichkeiten mangelt es
aber auf gar keinen Fall. Es gibt Kampfoptionen, Wirtschaftsoptionen,
Karteneditor und allgemeine Spieloptionen. Unter
"Kampfoptionen" kann 1. eine 21 Missionen umfassende
kampfbasierte Kampagne durchgespielt werden, in der vier bitterböse
Gegner mit tierischen Namen (Ratte, Schlange, Schwein und Wolf) darauf
warten vom Spieler ausgelöscht zu werden. 2. eine Mehrspielerpartie
gegen bis zu 8 Mitspielern gespielt werden 3. Belagerung spielen, also
vorgefertigte "historische" Burgen angreifen oder verteidigen
und 4. Invasion spielen, also die eigene Burg aufbauen, erhalten und
erweitern, wobei ständig angreifende Feinde abgewehrt werden müssen.
Unter "Wirtschaftsoptionen" gibt es sog. kampfunabhängige
Missionen. 1. die Wirtschaftskampagne, welche 5 Missionen umfasst und
zeitlich genau nach der oben erwähnten kampfbasierten Kampagne
angesiedelt ist. Es geht darum das soeben gewonnene Königreich
aufzubauen. 2. Wirtschaftsmissionen spielen, also Verwaltung der
Ressourcen und Erreichung vorgegebener Ziele und 3. Freies Bauen, wobei
dem engagierten Burgenbauer keinerlei lästige Feinde einen Strich durch
die Pläne für die Traumburg ziehen. Der Karteneditor bietet die Möglichkeit
die vorgefertigten Karten zu bearbeiten, neue Einzelmissionen oder sog.
"Sturmfrei"-Missionen zu basteln, die daraus bestehen eine
Burg zu erschaffen, um sie dann ins Internet zu stellen und zu sehen,
wie lange sie den Angriffen der Stronghold-Community standhält.... Das
über 60 Seiten starke Handbuch liefert dem Spieler alle nötigen
Informationen zum Spiel und wird durch ein ReadMe file auf der CD-ROM
ergänzt. Besonders viel Mühe haben sich die Entwickler mit der Präsentation
ihres Spieles gegeben. Alle Menüs und Hintergrundbilder, Schalter,
Buttons und das gesamte "Drumherum" ist wunderschön und
liebevoll umgesetzt. So gelingt es dem Spiel, den Spieler vom Start weg
in die Welt des Mittelalters zu ziehen und ihn auch dort zu halten. Die
eigentliche Spielgrafik steht dazu in einem gewissen Gegensatz, denn sie
ist nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit. Sicher, schön gezeichnete 2
D Grafik muss nicht schlecht aussehen, aber umwerfen tut mich die
Spielgrafik von Stronghold nun wahrlich nicht. Außerdem sind die
Karten irgendwie ziemlich klein, jedenfalls für meinen Geschmack.
Immerhin ist das Menü durchdacht und gut zugänglich. Am unteren
Bildschirmrand platziert, hat der Spieler immer alles im Blick: Gebäudeauswahlfenster,
Gebäudekategorien und die Symbole für Spieloptionen, Aufgaben, Rückgängig
und Löschen. Auf der Minikarte rechts unten kann man immer den aktuell
sichtbaren Bereich einsehen und in der rechten unteren Ecke hält ein
Kapuzenträger die Infotafel mit den Werten: Beliebtheit, Schatzkammer
und Bevölkerung.
Zum Bau von Burgen
benötigt man natürlich Ressourcen, welche auf der Karte durch den Bau
der spezifischen Gebäude auch erworben werden können. Insgesamt kann
der Spieler über 70 Gebäude errichten, was wahrlich eine enorme Anzahl
ist. Allerdings sind hier alle Gebäude eingeschlossen und nicht nur
jene, die der Ressourcengewinnung dienen. Es gilt nämlich auch einen
funktionierenden Wirtschaftskreislauf aufzubauen und am Laufen zu
halten. Bsp.: Eine Getreidefarm liefert Getreide, welches in der Mühle
zu Mehl verarbeitet wird. Eine Bäckerei backt aus dem Mehl Brot,
welches die Bevölkerung ernährt. Die Untertanen spielen eine wichtige
Rolle in Stronghold, stellen sie doch die Arbeitskräfte und die
bitter nötigen Soldaten. Allerdings zeigt sich hier auch wieder wie
unrealistisch das Spiel konzipiert ist. Mit einer winzigen Anzahl an
Einwohnern können fette Burgen gebaut werden. Es ist eben keine
Simulation, sondern ein Echtzeitspiel! Besonders interessant finde ich
auch die Möglichkeit Steuern zu erheben. Die Skala reicht hier von
"Grausame Steuern" (holt den letzten Pfennig aus den
Untertanen heraus) bis hin zu "Großzügige Spende" (der
Spieler verteilt seine Dukaten ans Volk). Änderungen an der
Steuerschraube ändern auch den Beliebtheitsgrad des Spielers bei der
virtuellen Einwohnerschar. Die Beliebtheit ist (wieder im Gegensatz zur
Realität;-) ziemlich entscheidend für das Spiel. Werden die Einwohner
schlecht behandelt hauen sie einfach ab und man sitzt alleine in seiner
halbfertigen Burg...., verteilt man großzügig seinen Schatz, fehlt
einem das nötige Kleingeld zum Kauf von besseren Truppen etc...
Balance ist das Zauberwort und Anpassung an die jeweilige Situation.
Leichter gesagt als getan, den die Reaktionen der Einwohner lassen nie
lange auf sich warten. In Stronghold geschieht sowieso alles
heftig schnell. Sind z.B. genügend Ressourcen vorhanden, kann man im
Fluge eine Burg errichten. Unwichtige Dinge, wie Bauzeit oder so....
werden erst gar nicht berücksichtigt. Symbole und Gebäude auswählen,
mit der Maus über die Karte gezogen und schwupp, da steht das Prachtstück
schon bereit. Oft passiert es, das gewisse Bereiche der Burg nicht
richtig platziert wurden, meist Mauern. Das liegt an der Karte, welche Höhen
schlecht darstellt. Durch Ausblendungsfunktionen kann man aber solche
"vergessenen" Bereiche entdecken und schließen. Das sollte
man allerdings auch tun, denn die Feinde sehen diese Schwachstellen sehr
schnell. Man kann damit auch sehen, was hinter Wällen ist, wodurch man
sich gewisse Vorteile verschaffen kann... Die Kämpfe laufen im üblichen
Echtzeitstil ab und alle Funktionen dazu sind vorhanden (Gruppierungen,
Auswahl derselben Typen etc...). 11 verschiedene Einheitentypen können
aufgestellt werden, wobei jede ihre besonderen Eigenschaften hat.
Bogenschützen sind billig und auf Distanz effektiv. Streitkolbenkämpfer
eine recht gute "Allround"-Einheit, die sowohl Leitern
erklimmen kann, als auch Burggräben zuschaufelt. Im Nahkampf sind diese
Truppen ebenfalls nicht schlecht. Ritter sind wahre Elitetruppen, die
jedoch auch ihren Preis haben, ziemlich langsam sind und weder auf
Leitern steigen, noch Burggräben zuschütten können. Die kampfbasierte
Kampagne kann man sicherlich als das Herzstück des Spieles ansehen und
ist linear aufgebaut. Der erste Schock für mich war die Landkarte: die
Bundesrepublik Deutschland in ihren momentanen Grenzen. Das ganze Land
wird beherrscht von vier krankhaften Bösewichtern, die sich mehr oder
weniger illegal in ihre Machtpositionen gebracht haben. Soll das etwa
eine Anspielung auf die derzeitigen politischen Zustände in unserem
Lande sein? ;-) LOL. Der Spieler jedenfalls lagert im äußersten Osten
irgendwo in MeckPom und beginnt dort die Eroberung des Landes. Der
Schwierigkeitsgrad nimmt, wie bei den meisten Spielen üblich, mit jeder
Mission zu. Die Missionen sind recht abwechslungsreich gestaltet, wobei
die Feinde eine schwache K.I. durch Masse ausgleichen. Das ist man ja
aber von Echtzeitspielen auch meist so gewohnt und erwartet daher kaum
etwas anderes. Die Animationen sind sehr schön anzusehen, so freut sich
zumindest der Sehnerv, wenn das Hirn schon nicht überlastet wird. Eine
schnelle Hand an der Maus ist im Falle eines Kampfes selbstverständlich
kampfentscheidend! Dennoch sollte man bei der wilden Klickerei nicht die
Fähigkeiten seiner virtuellen Getreuen vergessen. Bogenschützen und
Armbrustschützen taugen nunmal nicht für den Nahkampf! Diese Truppen
gehören auf Mauern oder Türme und sollten durch Pikeniere oder
Schwertkämpfer geschützt werden. Also: Schon beim Aufstellen der
Einheiten daran denken, denn in der Hitze der Schlacht sind taktische
Anordnungen oft nicht mehr schnell genug möglich! Lobenswert ist die
Tatsache, das Stronghold komplett in deutsch vorliegt. Meiner
Meinung nach sollte jedes Spiel, das in Deutschland zu kaufen ist, auch
komplett in deutscher Sprache sein. Nur einige Kleinigkeiten trüben
diesbezüglich den positiven Eindruck. So wird oft die englische
Bezeichnung "Sire" benutzt, obwohl die Karte ja unschwer als
Deutschland auszumachen ist und einige Gegenspieler haben ansonsten
französisch klingende Namen. Nun denn, man kann halt sagen, das Stronghold
die spielerischen Freiheiten eben voll ausschöpft. Realismus oder
gar Lerneffekt (z.B. über Burgenbau im Mittelalter oder so...?) will
und kann Stronghold gar nicht rüber bringen. Stronghold ist
ein Echtzeitspiel, das als Szenarium eben einmal das Mittelalter gewählt
hat. Es muss ja auch nicht immer der III. Weltkrieg oder gar Science
Fiction sein! |