| Rezension:
Lassen Sie sich
auf gar keinen Fall die Einführung von Vietcong entgehen! Die
vier Übungen im Drillcamp sind unvergesslich, werden Sie doch vom
übelsten Drill-Sergeant der je in einem Computerspiel sein Unwesen
trieb herum kommandiert. Wobei "kommandiert" sicher nicht das
richtige Wort ist, denn was dieser Typ so aus den Lippen fallen lässt
ist auf gar keinen Fall mehr jugendfrei - und dabei hält sich die
deutsche Übersetzung noch einigermaßen zurück. Fest steht, dieser Typ
wird sicher Kultstatus erreichen, wobei ich mir kaum vorstellen kann,
das er in der US-Version genauso viel "Gas" geben wird, denn
in den prüden Staaten würde man dann nur noch dieses gewisse
"Zensur-Piepen" hören können....
Schon sind wir
auch beim ersten Kritikpunkt dieses Spiels: Alle gesprochenen Texte sind
in englisch und deutsche Übersetzungen liegen nur in Untertiteln vor.
Ich frage mich einmal mehr, warum es die Publisher nicht für
nötig halten den zweitgrößten Markt für Computerspiele
(=Deutschland) mit sauber lokalisierten Spielen zu versorgen. Natürlich
kosten Sprachaufnahmen Geld, aber auf der anderen Seite ist dieses Spiel
ja auch kein Billigtitel, sondern ein Vollpreisprodukt. Da
Computerspiele im Allgemeinen nach der Euroeinführung wesentlich teurer
geworden sind, hat der zahlende Kunde m.M. nach ein Recht auf ein
vollständiges Produkt - und dazu gehören auch Sprachaufnahmen in der
Muttersprache des Landes. In diesem Falle fehlen also eindeutig
gesprochene deutsche Texte, das wirkt sich in einigen Missionen auch
negativ aus, da man dort schlicht vergessen hat die Untertitel
einzublenden.... Die englische Sprache trägt immerhin zu einem
realistischen Hintergrund bei, was aber keine Entschuldigung sein
darf.
Als Mitglied einer
Special Forces Einheit beginnt der Spieler ( Hawkins) die Kampagne in
einem abgelegenen Lager nahe der kambodschanischen Grenze. Dieses Lager
ist Ausgangspunkt für alle weiteren Einsätze, die allesamt sehr
realistisch gelungen sind und den Spieler vom ersten Moment an in ihren
Bann ziehen. Die grandiose Grafik ist umwerfend wirklichkeitsgetreu, was
ebenfalls auf die Charaktere zutrifft. Die Charaktere sind Hawkins
Kampfgefährten, welche einem wirklich im Laufe der Kampagne ans Herz
wachsen. Jeder hat seine Eigenarten und seinen eigenen Kampfstil. Egal
ob im tiefsten Dschungel, in Tunnelanlagen des Vietcong, in Sümpfen -
egal ob am Tage oder in der Nacht - ob zu Lande oder in der Luft
im Hubschrauber - immer gelingt es dem Spiel die jeweilige Atmosphäre
gekonnt einzufangen. Das ist schier unglaublich und schraubt den
Suchtfaktor für dieses Spiel in die höchsten Höhen. Nach einer
erfolgreich abgeschlossenen Mission fiebert man geradezu seinem
nächsten Einsatz entgegen. Wohin wird es einen diesmal verschlagen?
Immer muss man voll auf der Hut sein, denn im Dschungel und auch in
Tunneln, lauern nicht nur gut getarnte kommunistische Kämpfer, sondern
auch allerlei üble Fallen. Sprengfallen, Punji-Fallen mit angespitzten
Holzpflöcken und Fallgruben können dem Spieler zum Verhängnis werden.
Der Kundschafter Nhut weist meist den Weg und entdeckt zumeist die Fallen,
aber er ist ja nicht immer dabei. Jeder Charakter des Einsatzteams hat
besondere Fähigkeiten: Arzt, Techniker, Kundschafter, MG-Schütze
usw.., so dass alle zusammen eine kampfstarke Truppe abgeben. Zum Glück
muss man diese Mannen nicht rum kommandieren, sondern kann sie zu sich
rufen. Das reicht auch völlig aus, denn sonst hätte man ja kaum noch
Zeit zum Kämpfen gehabt.
Und das Kämpfen
bringt nun wirklich einen enormen Spaß. Alle vorkommenden Waffen - und
es sind viele - sind akurat umgesetzt worden. Natürlich kann man
erledigten Feinden ihre Waffen abnehmen und sie durchsuchen, so dass bei
Munitionsknappheit einfach eine neue Waffe genommen werden kann. Mir
persönlich gefällt die AK-47 richtig gut, aber das ist
Geschmackssache. Neben dem Einsatz von Handfeuerwaffen (Pistolen,
Revolvern, MP´s und Gewehren) können auch Handgranaten geworfen oder
C-4 Sprengstoff platziert werden. Weiterhin steht manchmal
Luftunterstützung und Artillerie bereit, wobei die Koordinierung über
die Karte etwas fummelig ist. Die Kämpfe sind stets extrem spannend, ja
oft geradezu nervenaufreibend. Sie schleichen durch den Dschungel und
plötzlich rattert eine AK-47 los, so dass ihnen die Kugeln nur so um
den Kopf fliegen. Danach wieder absolute Stille. Man sieht nichts....
Verdammt noch mal wo das her? Wo sitzt der VC? Sieht er mich noch? Alle
diese Dinge rasen einem durch den Kopf, während man versucht sich in
Deckung zu legen und nach dem Schützen zu spähen.
Je nach gewähltem
Schwierigkeitsgrad stehen eine gewisse Anzahl von Speicherplätzen zur
Verfügung. Im härtesten Schwierigkeitsgrad, bezeichnender Weise
"Vietnam" genannt, dann gar keine mehr. Das Spiel ist in
normalen Schwierigkeitsgrad sicher an einem Wochenende zu bewältigen,
wenn man ununterbrochen spielen kann. Das mag etwas kurz sein, dafür
bekommt man aber im Gegensatz zu anderen Spielen eine volle Packung
"Vietnam". Ich persönlich habe es jedenfalls nicht bereut mir
dieses Spiel gekauft zu haben. Außerdem ist ein Mehrspieler - Modus mit
dabei und man kann an Sofort-Gefechten gegen den PC teilnehmen. Leider
gab es auch ein paar Grafikfehler (sieht schon lustig aus, wenn einige
Soldaten hoch oben in der Luft rumlaufen....) und sogar zwei Abstürze.
Weiterhin sind die Missionen so stark vorgegeben, das man kaum
Freiheiten hat, die Missionen nach seinem Gutdünken zu absolvieren. Das
geht hin bis zu echten Ungereimtheiten (Bsp.: Befreiung des POW - ich
klicke aus einiger Entfernung auf die Käfigtür und eine Erfolgsmeldung
erscheint. Danach wird der POW aber erschossen und die Mission ist nicht
geschafft.) Das verwirrt einen manchmal schon, man muss also dichter an
der Tür stehen, sie öffnen, warten bis der POW herauskommt und dann
stimmt die Sache.... Mit Sicherheit überwiegen aber die positiven Dinge
bei Vietcong bei Weitem, so dass ich trotz dieser Mankos von dem
Spiel extrem begeistert bin. Spieler, welche gerne realistische Shooter
spielen, werden auf alle Fälle von Vietcong hingerissen
sein.
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